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Dienstag, 5. Dezember 2006Vollmond
Nach nur dreieinhalb Stunden Schlaf bin ich - völlig nassgeschwitzt, sozusagen mit Fröschen im Bett - aus dem Schlaf geschreckt. Vermutlich liegt es am Vollmond, der mich gestern abend noch durch's Küchenfenster hindurch angeblinzelt hat. Bis auf den LKW, der in den letzten zehn Minuten zweimal die Musikerstrasse hochfuhr und den Wind, der ab und zu eine Böe pustet, ist alles ruhig.
Ich mag es sehr, wenn alles ruhig und friedlich ist. So wie in den letzten drei Wochen, da war unser Lieblingsnachbar von oben nämlich wieder im Krankenhaus. Was war das erholsam! Kein lautes Türenschlagen, keine Heimwerkergeräusche von morgens sechs Uhr an bis spät in die Nacht im Keller unter unserem Schlafzimmer, kein lautes Bölken im Treppenhaus, keine stundenlangen konspirativen Treffen der örtlichen Müll- und Schuttsammlergilde vor meinem Küchenfenster, kein übermässiger Schmutz im Hausflur und im Keller; auch die Haustür blieb, genauso wie die Vorkellertüren, nicht ganztägig offen stehen. Wie ich darauf komme? Ganz einfach: Manchmal wünsche ich mir den Mut, zurückzuschlagen. Wenn ich - wie gerade eben - nachts nicht schlafen kann, würde ich am allerliebsten die Waschmaschine einschalten, mir den Staubsauger schnappen und laut Musik hörend die Wohnung saugen. Nicht, weil ich diese Sachen so wahnsinnig gerne mache, nein. Einfach um den Nachbarn, die glauben sie würden hier alleine wohnen und keine Rücksicht auf andere nehmen, mal zu zeigen, dass Lärm und Dreck erzeugen nicht alleiniges Vorrecht einiger Weniger ist. Zum Glück für die Nachbarn über uns bin ich eine friedliebende Seele. Oder einfach nur zu doof. Sonntag, 3. September 2006Nachbarn und Persönliches
Nachbarin Carola fegt und feudelt lautstark die Treppe. Indem ich die Wohnungstür öffne, leiste ich ihr etwas Gesellschaft, zum Quatschen. Wenn andere Nachbarn sich stets im Treppenhaus anbrüllen, können wir das - in normalem Ton - auch mal.
Ein wenig wundere ich mich, denn Carola ist in der glücklichen Lage, die Hauswoche gar nicht machen zu müssen. Der fluchbelastete Nachbar, der heimlich, aber unheimlich laut im Keller seinem nichtangemeldeten Gewerbe nachgeht, hat Carola den Keller abgeschwatzt und macht dafür (entsprechend lautstark) ihre Hauswoche. Den rücksichtslosen Greis hatte ich erst eine halbe Stunde vorher mit seinem Fahrrad wegfahren sehen, im Urlaub konnte er also nicht sein. Carola erklärte mir dann, dass es dem "Opi" ja so wahnsinnig schlecht ginge, er hätte wohl schon wieder zehn Kilo abgenommen und wäre erst am Freitag wieder einmal ins Krankenhaus eingeliefert worden. Anfang August hatten wir hier eine ausserordentlich ruhige Woche, da war der Herr nämlich des Nachts von einem RTW in Richtung Klinikum transportiert worden, weil er Blut spuckte. Massives, unstillbares Magenbluten. Nun ja, die Geschichte wäre wohl schon inoperabel, berichtete mir die Madame aus Goarl-Moarcks-Stoadt seinerzeit vom Balkon herunter. Und ihr Lebensgefährte wäre ja so ungeduldig und fühle sich im Klinikum überhaupt nicht wohl. Ja nee, ist klar - da hat er kein Fahrrad und kriegt was von den Schwestern auf die Finger, wenn er anfängt Schrott einzusammeln. Er hatte sich dann auch selbst entlassen. Meine Meinung dazu? Zählt nicht, aber Weihnachten erlebt er nicht mehr, würde ich schätzen. Gerade dann, wenn nach vier Wochen schon wieder die Notwendigkeit eines stationären Aufenthaltes eintritt - aus diesem hatte er sich erneut selbst entlassen. Vermutlich wird er so eines Nachts im Schlaf verbluten. Oder er fällt beim Schrott einsammeln vom Fahrrad. Carola war dann auch bass erstaunt, dass der "Opi" (ich würde niemals einen älteren Nachbarn mit ihrer Selbstverständlichkeit so anreden und ungefragt duzen) mit einer Fahrradladung Sperrmüll über die frisch gefeudelte Treppe in den Keller wankte und dabei eine riesige Dreckspur hinterliess. Das ist nämlich so'ne Sache mit dem Füsse abtreten, das hat er in Russland nicht gelernt. Er geht immer erst ins Treppenhaus hinein und stampft dann dort an die achtmal mit beiden Füssen auf, um den Schmutz von den Schuhen zu bekommen. Tja, nun wird es schwierig: Wir haben uns mal gemeinschaftlich vorgestellt, was wohl passiert, wenn der Radaubruder nun sterben sollte. Sein eigener Keller, Carolas Keller, der eigentlich gemeinschaftliche Fahrradkeller und sogar der Versorgungskeller stehen voll mit seinen Errungenschaften. Ach ja, ausserdem nutzt er noch einen zusätzlichen kleinen Kellerraum, den ich liebend gerne anmieten würde. Die Sperrmüllsammlung auf dem Flohmarkt verkaufen kann er dann nicht mehr. Die Keller müssen dann aber ausgeräumt werden; ich kann mir nicht vorstellen, dass seine Lebensgefährtin das schafft. Diese hat nämlich ein eigenes gesundheitliches Problem: Sie bewegt sich nicht, lässt ihre Töchter den Haushalt machen und der "Opi" macht sämtliche Besorgungen, sie nimmt daher zu und hat Rückenschmerzen. Seit einiger Zeit kann sie nur noch mit ihrem Rollator unterwegs sein - wenn sie nicht gerade Auto fährt. Bei einer lichten Höhe von gerade mal 150 cm wiegt sie vermutlich auch genausoviel in Kilogramm. Ja, ich weiss - wer im Steinhaus sitzt, sollte nicht mit Gläsern werfen. Ich bin auch dick (aber nicht so), ich kann mich zur Zeit nicht gut bewegen, tue es aber trotzdem. Denn ich muss ja trainieren. Seit ein paar Tagen mache ich angedeutete Kniebeugen, um die Beinmuskulatur mal wieder etwas auf Vordermann zu bringen. Vor allem beim Aufstehen spüre ich die Schwäche dort deutlich, das will ich ändern. Langsam und peu à peu werde ich das auch ändern. Genauso ist es mit der Nahrungsaufnahme: Im Gegensatz zum Frühjahr passt schon wieder mehr in mich hinein, das ist mir bewusst. Aber genauso bewusst halte ich mich auch zurück, ohne mir etwas zu verkneifen. Die Wassereinlagerung Anfang der Woche hat mir auf der Waage einen reichlichen Schrecken eingejagt. Nun ist das Wasser weg und ich habe zwar zugenommen, jedoch nur 400 Gramm - keine fünf Kilo, wie anfangs befürchtet. Ich werde mich auch weiterhin bemühen, etwas Gewicht zu verlieren. Ohne Zwang klappt das bei mir immer am leichtesten. Samstag, 26. August 2006Wochenendstimmung
Ursprünglich hatte ich geplant, bis mindestens 10 Uhr zu schlafen - also direkt nach Einnahme der Acht-Uhr-Medis wieder unter die Decke zu krabbeln. Es ist heute sehr trübe und nieselt noch zusätzlich. Da muss man doch auch mal ausschlafen, finde ich.
Doch das scheint nicht gewollt zu sein. Der stets herumlärmende Obernachbar tat, was er am liebsten tut und am besten kann: Radau machen nämlich. Auch der frisch gekürte neue Lieblingsnachbar machte sich zunehmend unbeliebt. In seinem Wenn Ahmed das Auto aufschliesst, benutzt er dazu - oh Wunder der Technik - eine Funkfernbedienung. Das Cabriolet "antwortet" mit zweimaligem kurzen Hupen. Mööp-mööp. Stinknormales Signalhorn in angemessen warnender Lautstärke. Schliesst Ahmed den Wagen ab, mööpt der BMW viermal. Ich fürchte, Schlüssel und Schloss dürfen bei diesem speziellen Modell gar nicht mehr benutzt werden. Denn auch mitten in der Nacht spielt Ahmed mit Vorliebe an dieser Fernbedienung herum. Oftmals mehrfach, denn ihn stört es nicht. Er ist ja wach. Habe ich schon mal erwähnt, dass am anderen Ende der nur 250 Meter langen Strasse ein Altenheim steht? Weiss ausser mir noch jemand, dass das grundlose Betätigen von Signalhörnern - genau wie das Abbrennen von Feuerwerkskörpern - in der Nähe von Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen nicht erlaubt ist? Montag, 7. August 2006Fass, überlaufend
Wir wohnen in einem Mietblock, in unserem Eingang gibt es insgesamt sechs Wohnungen, wir haben die Erdgeschosswohnung an der südwestlichen Ecke des Hauses. Direkt über uns wohnt der fluchbelastete zweiundsiebzigjährige Nachbar, der zu allen un- und möglichen Tages- und Nachtzeiten im Keller unter unserem Schlafzimmer herumlärmt, mit seiner Freundin; in der Wohnung darüber, also ganz oben, ein weiteres Pärchen. Sie ist etwa Mitte 40, eher darüber. Ich nenne sie jetzt der Einfachheit halber mal "Sabine".
Vor zwei Jahren ist "Sabine" alleine in die Wohnung eingezogen, anfangs machte sie auch einen sehr netten Eindruck auf mich. Leider änderte sich das, als sie begann, fast Täglich sammelte ich Zigarettenkippen, Kronkorken und anderes von Sabines Balkon "heruntergefallene" aus meinem handtuchkleinen Gärtchen. Als sie wieder einmal, an einem Wochentag gegen vier Uhr morgens (in den Stunden vorher gab es bereits ein ständiges Auf und Ab, der eine hatte wohl die Zigaretten vergessen, der nächste musste Bier holen, der übernächste holte noch mehr Leute ab), jede zweite Stufe im Treppenhaus mit den harten Absätzen ihrer Schuhe überspringend und von deutlich mehr als acht Personen begleitet, extrem laut die Treppe hinunterpolterte, fasste ich mir ein Herz und sprach sie freundlich, aber bestimmt an. "Sabine, könntest Du bitte, wenn Du mitten in der Nacht mit einem Haufen Leute durch's Treppenhaus gehst, etwas leiser sein? Das ist nun schon die zweite Nacht, in der ich nicht schlafen kann." Das war ein Fehler. Sabine, offensichtlich betrunken oder von Anderem berauscht, fing sofort an zu keifen. "Wir sin' üüwerhaup't nich' laut! Was fällt'n Dir ein, mir aufschulauern? Häh?" Zwei der jungen Männer eilten ihr zu Hilfe und bauten sich in meinem Türrahmen auf, ich fühlte mich etwas bedroht. Dabei hatte ich mir wirklich alle Mühe gegeben, ruhig und freundlich zu sein. "Olle Plunschkuh", "Dämliche Zimtzicke" und "Fette Sau" waren dabei noch die harmlosen Schimpfworte, mit denen sie mich nun bedachten. Die Sinnlosigkeit meines Plans einsehend schloss ich die Tür und machte mich langsam schon mal für die Arbeit fertig. Wie gross der Fehler nun wirklich war zeigte sich schon am gleichen Abend. Als ich von der Arbeit kam und den Briefkasten aufschloss, fiel mir Müll auf die Schuhe. Kaffeefilter, Bananenschale, Zigarettenkippen und Asche. Als Höhepunkt der Geschmacklosigkeit hat da nur noch etwas benutztes aus dem Bereich "Intimhygiene" gefehlt. Das allerdings fand ich dann mitten im Handtuchgärtchen, neben anderen Abfällen. Mit Einmalhandschuhen sammelte ich alles ein und verstaute es in einem Müllbeutel. Am nächsten Morgen ging ich ins Vermieterbüro, schilderte mein Problem und erwartete zumindest, dass Sabine nun vom Vermieter verwarnt, wenn nicht sogar abgemahnt wurde. Doch der damalige Sachbearbeiter erwies sich als echtes Weichei und machte mir deutlich, mit einer solchen Story (oder vielleicht mit solchen Leuten wie Sabine?) nichts zu tun haben zu wollen. Ich sollte es ihr doch einfach mit gleicher Münze heimzahlen, war seine Meinung. Nein, auf ein derartig unterirdisches Niveau wollte und konnte ich mich nicht herablassen. Das erklärte ich auch diesem Hausmeisterlehrling und kündigte ihm noch an, den nächsten Müll meiner Nachbarin dann einfach auf seinem Schreibtisch abzuladen. Das hätte in etwa die gleiche Sinntiefe, meinte ich. Auf meinem Rückweg, den besagten Müllbeutel noch in der Hand haltend, traf ich - der Teufel ist ein Eichhörnchen - Sabine. "Bluffen!" war der Geistesblitz, der mich überfiel. Ich winkte ihr freundlich mit der Mülltüte zu und richtete ihr einen schönen Gruss von der Hausverwaltung aus. Sie lief auberginenlila an, ich rechnete schon fast damit, dass sie mir auf offener Strasse die Augen auskratzen würde. Aber nein - in der Folgezeit wurde es merklich ruhiger im Haus. Ein Jahr später schleppte sie einen "neuen" Mann an, mit dem sie fortan des öfteren gesehen wurde. Wieder der Einfachheit halber nenne ich ihn hier mal "Ahmed". Und vorbei war's mit der Ruhe wieder. Ahmed ist Anfang 20, könnte also gut und gerne ihr Sohn sein. Nein, nicht weil ich mich darüber mokieren will oder mich es etwas anginge, ob nun ein jüngerer Herr mit einer mittelalten Dame... der ganze Habitus ist es, der mich dieses erwähnen lässt. Ahmed ist übrigens arbeitslos, während sie immerhin vom Haustarif des hiesigen Autobauers profitiert. Mit Ahmed kamen die Autos. Mindestens jede Woche ein anderes, manchmal sogar alle zwei Tage. Je dicker das Auto, umso besser, meinte Ahmed wohl. Möglicherweise kaufte Ahmed die Wagen günstig ein und hatte die Möglichkeit, sie mit Gewinn zu verkaufen. Oh ja, mir ist bewusst, dass sich das widerspricht, jedoch möchte ich über andere Herkunftsmöglichkeiten der Wagen nicht mal nachdenken. Montags morgens, ich machte mich auf den Weg ins Büro, stand ein fast neuer Sportwagen vor der Tür, mit einem Kennzeichen aus einem anderen Bundesland. Ahmed stieg aus, grüsste - wie üblich - nicht und stiefelte ins Haus. Montags mittags, ich kam von der Arbeit, hatte erwähntes Auto ein hiesiges Kennzeichen. Am Abend war der Wagen nicht mehr da, um zwei Tage später in frischlackiertem Kleidchen wieder aufzutauchen. Mittwoch abend stand Ahmed mit einem fremden Pärchen vor der Haustür, ein Bündel Geldscheine und ein Bund Autoschlüssel wechselten die Besitzer. Plötzlich wurde Sabine nett, richtig leutselig. Sprach mich im Treppenhaus auf die kürzlich erfolgte Mieterhöhung an; jammerte, dass sie doch eh schon wenig Geld hätte weil Ahmed schon so lange arbeitslos sei, sie müsse jetzt sogar ihr Auto verkaufen. Da versuchte ich dann sogar, sie zu trösten: "Vielleicht findet Ahmed ja ein günstigeres Auto für Dich, dafür scheint er ja ein Händchen zu haben." Sabine erstarrte sofort. Sollte ich da einen wunden Punkt angesprochen haben? Unauffälliges Benehmen jedenfalls legten beide nicht an den Tag, wenn es um die vielen verschiedenen Autos ging. Man markiert ja gerne mal den grossen Max mit dicker Hose und lässt - morgens um drei - den Motor minutenlang aufheulen, bevor man endlich losfährt. Damit auch die ganze Strasse etwas davon hat. Mit Ahmed kamen auch die Parties wieder. Wenigstens traute ich mich nun wieder, Sabine erneut auf die Lautstärke anzusprechen, mit der die Hausgemeinschaft nun wieder ungewollt beschallt wurde. Sie gelobte Besserung und klagte mir am Briefkasten ihr Leid, wie schwierig das Zusammenleben doch mit einem jüngeren Mann sei, der pausenlos unterhalten werden möchte. Jedoch hoffe sie, dass es nun bei ihr endlich mit einem Kind klappen würde, ihr Ex-Mann hatte ja eine solch schlechte Spermienqualität vorzuweisen, aus diesem Grund hätte sie sich nun einen jüngeren Mann genommen. Und das morgens, noch vor 7 Uhr, im Treppenhaus. Innerlich verdrehte ich die Augen, tatsächlich wünschte ich ihr viel Erfolg. Dann, letztes Jahr um Weihnachten herum, hörte man - ob man wollte oder nicht - Sabine und Ahmed vermehrt Streiten. Vorzugsweise nachts, mit Vorliebe einige Stunden lang, damit auch alle Nachbarn etwas davon hatten. Anfang des Jahres erzählte mir Sabine (als ich sie beim Einkaufen traf und es mir nicht mehr gelang, ihr aus dem Weg zu gehen) ganz stolz davon, ein Vierteljahr nur Nachtschicht arbeiten zu wollen. Wegen der Zuschläge, die man dann bekommt und weil sie inzwischen Ahmeds wegen den Festnetzanschluss hat kündigen müssen. Sogar die Bank musste sie seinetwegen wechseln, man stelle sich vor! Allerdings mochte ich mir das gar nicht vorstellen; es war mir gleichgültig, was die beiden trieben - solange sie niemandem dabei auf den Wecker gingen. Ungefragt berichtete Sabine noch, dass sie vorhabe, Ahmed bei der nächsten "Verfehlung" (so sagte sie wirklich!) rauszuwerfen. Nun konnte ich mir einen Kommentar nicht mehr verkneifen: "Dann wird es ja hoffentlich wieder etwas ruhiger im Haus." Sabine war entsetzt. Ob man das denn tatsächlich bei uns unten mitbekäme? Sie hätte ja ihren Unternachbarn bereits in Verdacht, der würde ihr nachschleichen und immer das gleiche in der Wohnung machen wie sie auch. Ginge sie auf die Toilette, hörte sie den Unternachbarn ebenfalls das Bad benutzen. Kochte sie Kaffee, sei der Unternachbar ebenfalls in der Küche. Und in ihrem Keller sei er auch schon gewesen, da sei sie ganz sicher! Denn es fehlte eine Bremse an ihrem Inliner-Schuh, wo vorher noch eine gewesen wäre! Und plötzlich verschwänden so viele Sachen, das wäre bestimmt der alte Mann, der ihr ja sonst auch ständig nachschleicht! Eine merkwürdige Taktik, um von den ständigen Streitereien abzulenken, nun ja. Welche Drogen sind das nochmal, die solche Paranoia hervorrufen können? Anfang April dann - mein fünfwöchiges Klinik-Abonnement war gerade abgelaufen - war ich mir sicher, dass Sabine ihren Ahmed noch immer beherbergte. In einer besonders lauen Frühlingsnacht stritten sie sogar auf dem Balkon, für den halben Ort gut vernehmbar. Hätte Ahmed nicht im Verlauf des Streits gedroht "Ich bringe Dich um", hätte ich auch die Polizei nicht gerufen. So einfach ist das. Zwischenzeitlich gehen sogar Nachbarn aus weiter entfernten Eingängen des Wohnblocks nachts mit Taschenlampen bewaffnet los und wollen nachsehen, in welcher der vielen leerstehenden Wohnungen im Block denn jemand vergewaltigt wird. Manche dieser Nachbarn sind sogar richtig nett und mir morgens dabei behilflich Gurkensalat, alte Putzlappen und sonstigen Müll der des Nachts - anscheinend im Verlauf von Streitereien - fliegen lernte, aus meinem Flieder zu klauben. Kann man es mir da verdenken, dass mir ein Stein vom Herzen fiel, als Sabine vor einigen Wochen stolz berichtete, sie würden ausziehen? Nein, eine neue Wohnung hätten sie noch nicht, aber bis Ende September wäre ja noch sooo viel Zeit - diese Wohnung wäre einfach zu teuer. Dann ist es ja gut, dass das Geld gerade noch so für ein nagelneues BMW-Cabrio für Ahmed gereicht hat. Sabine fährt übrigens nur noch Bus. Die komplette Hausgemeinschaft hofft inbrünstig, dass die beiden wegziehen. Gemeinsam. Bald. Und zwar weit weg. Gestern abend dann ein Vorfall, der für mich das Fass absolut zum Überlaufen brachte. Abends um halb zehn hörte ich Kindergeschrei. Nein, kein fröhliches Gelächter oder Spielgeräusche, richtig panisches Kreischen. Auf der Suche nach der Quelle - man hört und liest ja soviel von Kindesmisshandlung - ging ich auf die Terrasse. Und mir blieb fast das Herz stehen: Ahmed hielt ein Kleinkind an ausgestreckten Armen komplett über die Balkonbrüstung. Meine Bitte an Ahmed, das doch sein zu lassen, war fruchtlos. Im Gegenteil, ich musste mich noch beschimpfen lassen. Woher das Kind stammt? Das möchte ich gar nicht wissen. Aber die Amtsrufnummer der Polizei kenne ich inzwischen auswendig. Was zuweit geht, geht zuweit. Dienstag, 25. Juli 2006Dialog um Mitternacht
Olli: "Sag mal, können die Beiden sich vielleicht mal'n büschen schneller umbringen?"
N.: "Die Geschwindigkeit ist mir egal. Solange sie leiser dabei sind." Mittlerweile fliegt zwei Etagen über uns das Geschirr, während sie kreischt und er brüllt. Und die restliche Nachbarschaft hat sich hintenrum auf den Balkonen versammelt und beratschlagt, ob man da vielleicht nicht mal irgendjemandem "Bescheid" sagen müsse? Ich nicht, meine Lieben, ich habe bei den letzten (ja, Plural) nächtlichen Ruhestörungen die Polizei gerufen, wenn ihr alle geschlossen jeweils am nächsten Tag, durch nachdrückliches Kopfschütteln bekräftigt, "überhaupt nichts mitgekriegt" haben wollt. Denn mir ist das Pärchen ganz oben inzwischen so egal geworden, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Mit denen will ich überhaupt nichts zu tun haben. Dienstag, 11. Juli 2006Lautstärkeregulierung
Manchmal, so wie heute nacht zum Beispiel, wünsche ich mir eine Lautstärkeregulierung für unsere Nachbarn.
Seit Stunden streitet sich das Pärchen ganz oben im Haus. Mal keift sie und er brüllt zurück, dann pault er sie an und sie wird dann schrill. Zwischendurch flog das Geschirr, knallten die Türen, polterten laute Menschen durch's Treppenhaus, stand sie auf dem Balkon und fauchte in die Wohnung hinein, stand er unten und rief fremdländisch klingende (Schimpf-?) Worte in ihre Richtung. Solange ich morgen nicht wieder einmal Oliver eine erlesene Auswahl von Kronkorken, Schnapsflaschen, Gurkensalat, Zigarettenstummel oder pottige Scheuerlappen aus meinem Flieder klauben lassen muss, ist mir völlig egal was in der oberen Wohnung abgeht. Das sind nämlich die Nachbarn, die zu Ende September hier endlich wieder ausziehen. Donnerstag, 29. Juni 2006Nee nee nee!
Ein Kollege meines zarten Hasen schickte anscheinend im Laufe des Tages (Oliver hat Nachtschicht und schläft tagsüber) eine SMS. Da Oliver bis eben noch nicht reagiert hatte, rief der Kollege auch nochmal an, bröselte Oliver zehn Minuten voll und wies auf die Kurznachricht hin: Oliver sollte ihm eine Adresse aus einem anderen Bundesland per SMS mitteilen.
Ja wie doof ist das denn? Die Telefonauskunft ist auch vom Mobiltelefon aus erreichbar, kostet nur 69 Cent und ist sogar als SMS-Auskunft vorhanden - okay, das war mir auch neu, aber es ist ja richtig praktisch, dann hat man's gleich und schriftlich, ausserdem noch - solange man die Antwort nicht löscht - permanent verfügbar. Nun hat der Kollege seit heute Mittag auf Antwort von Oliver gewartet, Gebühren für eine SMS fielen eh an und angerufen hatte er ja auch noch! Ich habe mich schon mehrfach bei diversen Gelegenheiten darüber gewundert, wie der Kollege es geschafft hat, 38 Jahre alt zu werden ohne sich beim Sturz von der Teppichkante den Hals zu brechen oder beim Duschen zu ersaufen. Donnerstag, 22. Juni 2006Radau
Gestern sind mir die merkbefreiten Gärtner mal wieder tüchtig auf die Nerven gegangen.
Kurz nach halb sieben fingen sie an, auf dem Gelände ihres "Gärtnerstützpunktes" (der ja nur gute 20 Meter entfernt ist) mit Motorsensen herumzuspielen. Da ich schon sämtliche Schotten aufgerissen hatte, um frische kühle Luft in die Wohnung hineinzulassen, kam es mir vor, als wäre der Ursprung des ekelhaft lauten kreischenden und sirrenden Geräusches direkt im Raum. Vor Schreck wäre ich fast vom Sofa gepurzelt. Bevor ich die Fenster ob des Lärmes wieder schloss - trotz der 25°C Raumtemperatur! - zeigte ich den mit riesigen Gehörschutz-Mickymäusen bewehrten Gärtnern zwar noch einen Vogel, die Herren nahmen mich allerdings nicht wahr. Selbst durch die geschlossenen Fenster hindurch war das Geräusch durchdringend und ekelhaft; hinter meiner Stirn nisteten sich kleine fiese und mit Eispickeln bewaffnete Männlein ein. Wie gerne hätte ich mich etwas hingelegt... doch die Endlich Ruhe... jaha, von wegen! Exakt um 12 Uhr, die Mittagspause war wohl jetzt vorbei, nahmen sie ein weiteres Spielzeug in Betrieb. So eine elektrische Heckenschere ist ja auch etwas besonders feines. Erwähnte ich schon, dass gestern ein warmer Tag war? Bekanntlich bleiben die Gärtner ja an solchen Tagen gern in der Nähe ihres Stützpunktes, auch wenn dann dieselbe Rasenfläche - nämlich die hinter dem Haus, in dem ich wohne - halt zweimal täglich gemäht wird. Wenn die Grashalme nur noch drei Millimeter lang und schon garnicht mehr als solche zu erkennen sind, da ihnen durch das ständige Absäbeln jegliche Möglichkeit zum Wasser speichern genommen wurde und ausserdem durch Trockenheit und heftige Sonneneinstrahlung auch die Wurzeln endlich Schaden genommen haben, lassen die "Gärtner" tatsächlich mal einige Tage davon ab. Die Heckenschere blieb noch bis 15 Uhr im Einsatz - dann war wohl endlich Feierabend. Heute morgen, es war viertel vor sechs, schepperte mein fluchbelasteter Nachbar erst durch das Treppenhaus, bevor er sich lautstark in seinem Keller - direkt unter meinem Schlafzimmer - zu schaffen machte. Zu meinem ausserordentlichen Glück wurden des Nachbars Klopf- und Sägegeräusche jedoch schon nach einer knappen Stunde von Motorsense und Heckenschere der Gärtner sehr gut übertönt. Nicht zu vergessen die hausmeisterähnliche Gestalt, die kurz vor 8 Uhr im Treppenhaus mithilfe eines völlig ungeeigneten Geräts (Schlagbohrmaschine statt Bohrhammer) eine neue Pinwand anzubringen gedachte. Selbst die Müllabfuhr dieselte und hupte (!) völlig unnötig mehr als zehn Minuten vor dem Haus herum, weil irgendein Wundert sich eigentlich noch jemand darüber, dass ich bald komplett durchdrehe?
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ich wünsche dir ein wu [...]
Sa, 22.05.2010 11:22
Ohja, gestern hatten w [...]
Fr, 21.05.2010 15:41
Heute wurde bei uns ge [...]