Es gibt mich noch. Auf Sparflamme, sozusagen.
So ganz langsam und gemächlich scheine ich mit winzig kleinen Mäuseschritten aus meiner relativ heftigen depressiven Episode, die nun schon fast ein Jahr lang (!) andauert, wieder herausklettern zu können.
Immerhin bin ich auf dem besten Weg dahin, mir mein Leben im Alltag schon mal neu organisieren zu wollen. Das heisst, ich bin jetzt doch gewillt, wenigstens mal darüber nachzudenken.
Dabei hat es lange gedauert, bis ich nur ansatzweise einsehen konnte, dass es einer Umorganisation bedarf. Die körperlichen Handicaps, die ich seit der Operation vor vier Jahren mit mir herumschleppe, sind weder wegzudiskutieren noch wegzuignorieren.
Zudem kommt der Kopf auch nicht hinterher. Denn ich möchte so gerne mal wieder einen ganzen Tag lang herumpowern. So wie früher halt, aber dieses frühere Leben ist nun definitiv und endgültig vorbei (Na, Gehirn, bist du noch bei mir? Bemüh' dich mal!).
Es war doch überhaupt kein Problem, um 5 aufzustehen, mit dem nordostamerikanischen Riesen-"Teckel" rauszugehen, um sieben für den Vollzeitjob im Büro zu sein, nachmittags zumindest teilweise den Haushalt zu schmeissen, die nächste Dackelrunde vor dem abendlichen Nebenjob, zwischen 10 und Mitternacht wieder daheim zu sein, den Hund noch mal um den Block zu scheuchen und vor'm schlafengehen noch 'ne Stunde zu Chatten.
Haha. Ein Sechstel von dem gerade Beschriebenen würde mich heute für drei Wochen komplett ausser Gefecht setzen.
Sieh das endlich ein, du angeblicher Verstand. Es hat doch gar keinen Sinn, solche bescheuerten Aktionen immer wieder versuchen zu wollen.
Und doch: Seit vier Jahren gehe ich nicht nur an meine Schmerzgrenze heran, sondern regelmässig sehr weit darüber hinaus. Damit schade ich nur mir selbst.
Niemand kann sich tatsächlich und dauerhaft in mich und meine Situation hineinversetzen. Es ist auch nicht so, dass ich das jemandem wünschen würde, sowahr nicht!
Und ich will auch keine ständig nörgelnde Jammerliese sein, darum schlucke ich das meiste runter. Ganz falsch, ich weiss es.
Aber es ist ja auch nicht so ganz leicht, ich zu sein.
Zurück von der grottigsten Reha aller Zeiten, weiterhin arbeitsunfähig.
Alles um mich herum macht den Eindruck eines Handgranatenwurfstandes.
Bekomme ich meine Koffer und Taschen auch noch irgendwann ausgepackt? Akut keine Lust, irgendwie muss ich erst einmal richtig zu Hause ankommen.
Habt Dank für Weihnachtspost inklusive Geschenken, bestimmt schaffe ich es in den nächsten Wochen auch, mich noch direkt und persönlich zu bedanken.
Erst einmal werde ich meinem erhöhten Schlafbedürfnis nachgeben. Gut's Nächtle!
Inzwischen ist einige Zeit ins Land gegangen und es gibt Neuigkeiten.
Am 10. Dezember darf ich für vier Wochen zur Reha. Nach Bayern, ins Mittelgebirge, hurra.
Es stört mich so gut wie gar nicht, dass ich über Weihnachten nicht zuhause bin, schliesslich gibt's nächstes Jahr, soweit ich weiss und wenn nichts dazwischen kommt, auch wieder Weihnachten. Allerdings bin ich etwas skeptisch, mein Asthma betreffend. Mittelgebirge im Winter = kalt und neblig. Bei solchem Wetter habe ich dann sehr oft damit zu kämpfen, dass - gefühlt - erst mein Kehlkopf verkrampft und sich anschliessend die Alveolen aufpumpen. Grosser Mist. Darum dachte ich bei mir, da kann sicherlich die Internistin weiterhelfen. Sie konnte und ich habe nun meinen vierten Inhalator, der sich allerdings in Art, Handhabung und Wirkung von den üblichen Spray-Inhalatoren deutlich positiv abhebt.
Feine Sache.
Gegen Regen an sich habe ich gar nichts.
Die neu gesetzten Pflanzen wachsen, gedeihen und blühen, als ob sie nichts anderes zu tun hätten. Naja, haben sie prinzipiell ja auch nicht. Also da finde ich Regen wirklich gut. Dann brauche ich nichts giessen; ist schon praktisch, so ein Regen von Zeit zu Zeit.
Schade nur, dass der Wind gedreht hat und die Temperaturen mal eben um 10°C gefallen sind. Überhaupt, der Wind. Kopfschmerzen bereitet er mir schon seit Ewigkeiten, in etwa seit dem ich als Kind anscheinend einmal zu viel vom Baum gepurzelt bin.
Seit drei Tagen Migräne. Da denke ich gerade, oh Wunder, mein Kopf ist wieder klar, und schon sind sie wieder da. Schmerzen wie ... ich glaube, glühende Schaschlikspieße wären ein guter Vergleich. Ich hasse es. Gestern lugte Frau Klärchen zwischen den ganzen Wolken mal für ein paar Minuten hervor, in einem fiesen und extra hellen Strahl mir direkt ins rechte Auge. Mit voller Absicht. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich diese blöde Sonne angeschrieen.
Migräne auch am Südpol. Die scheinen die Narben auf den Modus "Wetterfrosch" programmiert zu haben. Ob ich überhaupt Interesse daran habe, jeden winzigen Wetterwechsel durch Narbenschmerzen schon einige Tage im voraus wissen zu müssen, danach fragt wieder keine Sau.
Ausserdem glaube ich, dass meine Orchideen sich erkältet haben.
So ganz nebenbei rufe ich mal eben die Woche des Phantomschmerzes aus.
Den - gefühlt - dreihundertsten Nachsorgetermin habe ich gestern überstanden. Soweit die Fachärztin das mit den ihr zur Verfügung stehenden Gerätschaften überblicken kann, sieht alles bestens aus. Dennoch stehen wieder einmal ein CT und die Bestimmung des Tumormarkers an. Alles Routine.
Und nach dem nächsten Termin in drei Monaten werden die Intervalle der Nachsorgen endlich länger, dann brauche ich nur noch einmal im halben Jahr hin.
Auch nachdem einige Tage vergangen sind, seit ich diesen Artikel über Intimchirurgie gelesen habe, kann ich meine persönliche Meinung und Gefühle anscheinend nicht richtig ausdrücken.
Direkt beim Lesen hatte ich - tatsächliche und real existierende - Schmerzen am Südpol, und zwar nicht zu knapp. Mit zahlreichen Schnitten und Nähten im Intimbereich kenne ich mich nämlich leider aus, und das sowahr nicht aus Jux und Dollerei. Wenn ich wollte, könnte ich berichten, dass in den letzten zweieinhalb Jahren nach der Operation kein einziger Tag verging, an dem ich tatsächlich und absolut schmerzfrei war. Auch könnte ich über Nervenschädigungen mit Taubheitsgefühlen und Missempfindungen oder sexuelle Funktionsstörungen halbe Bücher schreiben, wenn ich wollte. Um es noch dramatischer klingen zu lassen, könnte ich sagen: Ich hatte mal ein normales Leben. Nun lebe ich immerhin noch, das ist doch auch was. Wer diesen Unterschied nicht begreift, darf gerne mal einige Tage mit mir tauschen.
Noch immer fehlen mir die Worte. Sobald ich den Artikel aufrufe - und das mache ich aus Entsetzen wieder und wieder - schwirrt mir nur eines im Kopf herum, wie eine Achterbahn. Herr, vergib ihnen - denn sie wissen nicht, was sie tun. Und das, obwohl ich nicht mal gläubig bin.
Habt Ihr eine Meinung dazu? Irgendwelche Anmerkungen, auf die ich vielleicht leichter eingehen könnte?
Also, der Radau eben, das war nix gefährliches. Ehrlich. Auch wenn es sich sehr krawallmässig angehört hat, so waren es bloss mal wieder diverse Felsbrocken, die mir vom Verteiler gefallen sind. Schon seit drei Tagen bin ich zu nix mehr zu gebrauchen, hibbelig und nervös wie sonstwas. Die Narbenschmerzen wegen des Wetterwechsels kamen noch als i-Tüpfelchen obendrauf, aus der Kategorie Sachen-die-die-Welt-nicht-braucht. Nun wird's aber langsam besser, zumindest mit der Aufregung.
Wieder mal einen Nachsorgetermin ohne Befund erledigt. Puh.
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Kommentare
Do, 08.07.2010 16:48
auch dir alles alles G [...]
Do, 08.07.2010 10:23
Auf die Politik ist eb [...]
Di, 06.07.2010 22:12
Ich wünsche dir eine s [...]
Di, 06.07.2010 19:48
Gebloggt hast du, so v [...]
Di, 06.07.2010 12:37
ich wünsche dir ein wu [...]
Sa, 22.05.2010 11:22
Ohja, gestern hatten w [...]
Fr, 21.05.2010 15:41
Heute wurde bei uns ge [...]